Herstellung von Parfum: So kommt ein Duft in den Flakon
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Lesezeit 6 min
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Jedes Parfum beginnt mit einer Story, die der Duft erzählen soll.
Einen Duft zu komponieren ist wie Chemie-Unterricht: Nur die richtige Mischung funktioniert.
Duftöle baden eine Zeit lang in Alkohol, bis sie in Flakons gefüllt werden – das ist vergleichbar mit dem Reifeprozess von Wein.
Auch das Design von Flakons und Packaging gehört zur Parfumherstellung dazu.
Parfums gehören schon seit der Antike zu Luxusgütern, die heute wie selbstverständlich im Regal stehen. Aber bestimmt hast Du Dich beim letzten Sprühstoß Deiner Lieblings-Fragrance gefragt: Wie stellt man Parfum eigentlich her? (Woher wir das wissen? Nun, sonst hättest Du wahrscheinlich nicht auf diesen Blog-Artikel geklickt 😉)
Die Produktion von Parfum ist ein komplexer und detailliert durchdachter Prozess. Es reicht nicht aus, gut riechende Öle in eine Flüssigkeit zu kippen. Jede Duftnote muss feinstens abgestimmt sein und ein bewusstes Gefühl ausdrücken. Nur dann löst ein Parfum etwas in Dir aus, umspielt Deinen Charakter oder wird zum Träger Deines persönlichen Ausdrucks. Wie genau die Herstellung von Parfum abläuft, erklären wir Dir Schritt für Schritt.
Wie macht man ein Parfum zu etwas Besonderem? Das Geheimnis liegt in der Story des Dufts. Verantwortlich dafür ist der Creative Director einer Brand: Er oder sie entwickelt eine Geschichte, Stimmung oder Haltung, die das Parfum transportiert. Die Herangehensweise ist dabei – wie bei jedem Kreativprozess – völlig unterschiedlich. Manche entwickeln eine Idee aus einer konkreten Duftnote heraus, andere lassen sich von einem historischen Ereignis oder einem Drink inspirieren. Du kennst den Effekt, wenn die Story funktioniert: Ein Atemzug und das Parfum trägt Dich in eine andere Atmosphäre oder feuert Dein Gehirn mit passenden Assoziationen an.
Eng verbunden mit diesem ersten Schritt ist die Identität der Parfum-Marke. Ein neues Parfum muss den Kern der Brand widerspiegeln. Nur durch ein einheitliches Bild setzt sich eine Marke von anderen ab. Du kannst Dir das so vorstellen: Creative Director schreiben nicht nur eine unabhängige Geschichte, sondern passen sie dem Genre der Parfum-Brand an.
Den nächsten Schritt übernimmt der Parfümeur oder die Parfümeurin. Sie sind das Medium und übertragen die Story in Duftnoten. Das Hauptwerkzeug ihrer Arbeit ist ihr extrem feiner Geruchssinn – deshalb werden Parfümeur*innen oft einfach als „die Nase“ bezeichnet.
Steht das Briefing der Creatives, beginnt für Parfümeur*innen der Deep Dive in den Katalog der Duftstoffe. Dafür stehen mehr als 3.000 Noten – natürlich und synthetisch – zur Auswahl. Je nach Story muss sich eine Nase nun entscheiden: Was übermittelt den Kern des Parfums am besten?
Eine erste Orientierung bieten die verschiedenen Duftfamilien, zum Beispiel:
Jetzt bist Du dran!
Wir geben Dir eine Parfum-Story, Du findest die passenden Duftnoten. Deiner Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Mal schauen, ob du alle gelöst bekommst 😉
Megamare von Orto Parisi: Bergamotte, Zitrone, Calone, Hedione, Seegras, Moschus, Ambroxan und Zeder.
Follow von Kerosene Fragrances: Kaffeebohnen, Vanille, Benzoin, Tonkabohne, Baumsaft und Amber.
Cherry Punk von Room 1015: Kopfnoten: Kirsche, Safran, Sichuanpfeffer; Herznoten: Veilchen, Jasmin, Mimosa; Grundnoten: Patchouli, Tonkabohne, schwarzes Leder.
Der wohl spannendste Step in der Herstellung eines Parfums ist die Komposition. Sie verbindet Kunst und Handwerk, intuitives Gespür mit meisterlichem Fachwissen – und ist vor allem angewandte Mathematik. Parfümeur*innen müssen die perfekte Abstimmung der einzelnen Duftstoffe finden und die ausgewählten Noten in eine Struktur bringen. Die wichtigsten Fragen an dieser Stelle sind:
Mit welcher Duftnote startet das Parfum?
Welcher Geruch wirkt am dominantesten?
Welche Duftstoffe sind unterstützende Nebencharaktere?
Die Komposition ist also das reinste Testlabor. Bis die optimale Mischung gefunden ist, probieren die Nasen zahlreiche Varianten aus – denn schon jedes Tröpfchen eines Duftstoffes kann den Geruch oder die Stimmung des ganzen Parfums massiv verändern.
Der traditionelle Aufbau einer Fragrance ist die Duftpyramide. Sie gliedert die Duftnoten in drei Stufen: Kopf-, Herz- und Grundnoten. Sie geben an, zu welchen Zeitpunkt bestimmte Nuancen wahrnehmbar werden.
Im Bereich der Nischenparfums brechen viele Brands mit den Konventionen. Ihre Düfte folgen nicht der klassischen Pyramide, sondern zeigen sich linear oder als komplexer Duftteppich. Du siehst: In der Parfumbranche sind Regeln vor allem da, um gebrochen zu werden.
Mazeration – noch nie gehört? Dieser Fachbegriff der Parfumherstellung lässt sich auch als „Reifung“ ausdrücken. Hier wird die fertige Komposition mit Alkohol (Ethanol) und ein klein wenig Wasser vermischt und für 1–2 Monate gelagert.
Nice to know: Das Verhältnis von Duftöl zu Alkohol legt die Konzentration das Parfums fest. Ein höherer Duftöl-Anteil bewirkt in der Regel eine stärkere Sillage – das ist die Duftwolke, die Dich nach dem Sprühen umgibt und die Präsenz eines Parfums ausmacht. Auch die Haltbarkeit auf der Haut verlängert sich.
Der Effekt der Mazeration ist:
Die Duftnoten verbinden sich mit dem Alkohol und es entsteht eine homogene Flüssigkeit.
Alkoholische Noten verlieren an Präsenz.
Das Parfum wird stabiler, runder und bekommt mehr Tiefe.
Der Prozess ist also vergleichbar mit der Lagerung von Wein oder Deinem Cold Brew Kaffee im Kühlschrank: Erst durch Ruhe und Zeit entsteht ein Produkt, das zum kleinen Luxus im Alltag wird. Nach dem Ende der Mazeration wird das Parfum filtriert und in Flakons gefüllt.
Bei erfolgreichen Parfums hört die Herstellung nicht beim Alkohol-Duftöl-Mix auf – denn zur Story eines Dufts zählen auch das Design des Flakons und das Packaging. Beide Punkte sind schließlich dafür verantwortlich, dass der oflaktorische Vibe im Laden direkt ins Auge springt. Wichtige Aspekte sind dabei zum Beispiel:
Name des Parfums
Form und die Materialien des Flakons – von der Flasche bis zur Verschlusskappe
visuelles Marketing – von Produktfotos bis zur Farbgestaltung der Packung)
Produkttexte
Denn sind wir mal ehrlich: Wer noch nie ein Parfum ausprobiert hat, weil allein die Optik des Flakons schon umhaut, der mache den ersten Sprühstoß.
Als „Weltstadt der Düfte“ zählt immer noch Grasse. In der französischen Stadt herrscht mit 300 Tagen Sonnenschein im Jahr ein optimales Klima, um Rohstoffe wie verschiedene Pflanzen für die Parfumherstellung anzubauen. Aber auch Parfümerien weltweit sind erfolgreich, darunter die USA, Spanien und Deutschland.
Rein theoretisch ist es möglich, ein eigenes Parfum zu kreieren. Damit das Endergebnis aber auch tragbar wird und Du Dich nicht in Gestank einnebelst, braucht es viele Jahre Erfahrung – echte Nasen sind Meister ihres Fachs. Wenn Du mit Düften experimentieren und Deinen Geruchssinn schulen willst, empfiehlt sich Parfum-Layering: Probiere verschiedene Kombinationen aus und entdecke, wie die Duftnoten aufeinander reagieren.
Parfums ohne Alkohol sind meist wasser- oder ölbasiert. Bei wasserbasierten Parfums ist die Herstellung etwas aufwendiger und mit einer chemischen Emulsion verbunden, um das Duftöl mit dem Wasser zu vermischen. Ölbasierte Parfums gibt es häufig in flüssiger Form – zum Beispiel mit Jojoba- oder Mandelöl als Träger. Bei festen Parfums werden die Duftöle mit Wachs gemischt: auch diese Variante gibt es ohne Ethanol.
Ja, für Deutschland gilt die EU-Kosmetikverordnung (EG Nr. 1223/2009). Sie sorgt dafür, dass die Zusammensetzung von Parfums und Kosmetika gesundheitlich unbedenklich ist. Auch regelt die Verordnung, welche Werbeaussagen Marken über ihre Kosmetik treffen dürfen.
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